Nach der Verschnaufpause im Vorjahr, als die Druckbranche den Umsatz in etwa hatte halten können, forderten 2015 Digitalisierung und Billig-Konkurrenz im Internet wieder ihren Tribut: Da immer weniger Werbemittel, aber auch Zeitungen und Zeitschriften im klassischen Sinne gedruckt werden, gingen bei den Druckbetrieben im vergangenen Jahr bundesweit sowohl die Umsätze als auch die Personalbestände wieder zurück. Konkret beim Umsatz um 2,6 Prozent und bei der Beschäftigung um 1,9 Prozent.
Wie Thomas Gans, der Geschäftsführer des Verbandes Druck und Medien Rheinland-Pfalz und Saarland, im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte, fiel in Rheinland-Pfalz das Umsatzminus zwar mit 1,1 Prozent etwas niedriger aus als auf Bundesebene, dafür verzeichneten die Unternehmen im Land aber mit Minus 2,1 Prozent einen etwas stärkeren Rückgang bei den Mitarbeiterzahlen. Zwar werden die entsprechen-den Daten von der Statistik nur für Unternehmen der Branche mit 50 und mehr Beschäftigten erhoben. Doch Gans geht davon aus, dass sich bei den vielen kleinen Druckbetrieben der Trend ähnlich präsentiert.
„Das Druckgewerbe hat nach wie vor Überkapazitäten, gleichzeitig setzt sich der Wandel im Medien- und Nutzerverhalten hin zum Internet unvermindert fort. Das hinterlässt seine Spuren“, sagte Gans. Zudem stagniere mit dem produzierenden Gewerbe derzeit einer der wichtigsten Auftraggeber. Das setzt der Branche zu, „deswegen versuchen immer mehr Betriebe im Verpackungsdruck Fuß zufassen“, ergänzte Rita Endres-Grimm, die Vorsitzende des Verbandes.
Ein Ende der Abwärtsspirale sei noch nicht absehbar, gleichwohl registriert Endres-Grimm „eine Ver-langsamung“ des Trends. Basis für diese Einschätzung bildet eine aktuelle Umfrage in der Druckindustrie, wonach sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate leicht verbessert hätten. Zusätzlichen Schub in Form von Aufträgen und Investitionen soll in diesem Jahr die Branchenmesse Drupa bringen, die Anfang Juni in Düsseldorf und künftig im Dreijahres-Rhythmus statt-findet. „Auch von den Groß-Events Fußball-Europameisterschaft und Olympiade dürften gerade für die Werbemittelindustrie positive Impulse ausgehen“, so Gans.
Der Forderung der Gewerkschaft Verdi in der laufenden Tarifrunde von fünf Prozent Lohnerhöhung über eine Laufzeit von zwölf Monaten erteilten beide eine klare Absage: „Bei einer Preissteigerung von 0,3 Prozent und eines allgemeinen Produktionszuwachses von 0,6 Prozent im Vorjahr sind fünf Prozent Entgeltsteigerung absolut überzogen“, sagte Gans. Der jüngste Tarifvertrag ist am 31. März nach 27 Monaten Laufzeit ausgelaufen. Damals wurde über zwei Jahre verteilt zunächst eine Lohnsteigerung von drei Prozent und dann von einem Prozent vereinbart.

